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Volksbegehren gegen atomare Gefährdung durch AKW! (1. 7. 1970 )

 
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Volksbegehren gegen atomare Gefährdung durch AKW! (1. 7. 1970 )

Volkszeitung der ÖVP: In der letzten Zeit häuften sich in der Presse die warnenden Nachrichten über die Zerstörung unserer notwendigen Umwelt durch die Technik, die "Insektizide", Auto- und Fabriksabgase, giftige Abwässer usw.

Warum nimmt man aus diesen Berichten das allerschlimmste Gift, die Radioaktivität aus, wenn sie aus Kernkraftwerken stammt? Denn sonst wird in Balkenlettern über ihre Gefährlichkeit berichtet, die Dozent Herbst, der Radiobiologe der Universität Freiburg hinsichtlich ihrer Giftigkeit - Gifteinwirkung gewichtsmäßig um eine Million bis eine Milliarde größer als die unserer stärksten chemischen Gifte bezeichnet! Nördlich von Wien, in Zwentendorf-Tullnerfeld, an der Donau, soll Österreichs erstes Atomkraftwerk entstehen. Kostenpunkt: die Kleinigkeit von 4 bis 5 Milliarden ATS!

Der seinerzeitige Chef des Hauptlastverteilers der Österreichischen Verbundgesellschaft (Ing. Hans Stephenson) sagt in der "Presse" vom 27. Jänner 1970: " Bei der am 24. November 1969 im Kongeßsaal der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft veranstalteten Forumsdiskussion habe ich unmißverständlich darauf hingewiesen, daß der Bau eines Atomkraftwerkes gegenwärtig eine eklatante Fehlinvestition bedeutet. Verfahren, dies festzustellen, sind bekannt. Etwa 3,5 Milliarden kWh jährlich in einem zu errichtenden Atomkraftwerk zu erzeugen, ist sinnwidrig, da von Jahr zu Jahr mehr elektrische Energie mangels Bedarfs exportiert werden muß. Im Jahre 1968 betrug der Export über vier Milliarden kWh. Das Ausland bezieht einen Großteil der potentiellen Energie Österreichs kostenlos - der Arbeitspreis für hydraulische Energie ist praktisch Null. Erst baue man unsere sämtlichen Wasserkraftreserven aus, welche bis 60 Prozent in Österreich noch brachliegen. Sollte nach Jahren dennoch ein Engpaß in der Stromerzeugung auftreten ( was als unwahrscheinlich erscheint), so wird bis dahin bestimmt die zur Zeit noch sich in Entwicklung befindliche Energiegewinnung aus der unschädlichen Kernverschmelzung so weit entwickelt sein, daß man die Sackgasse der Stromerzeugung aus der Kernspaltung verlassen kann, in der anscheinend das gewaltige internationale Geschäftskapital ohne Rücksicht auf die gesundheitlichen Auswirkungen aus den investierten Milliarden noch recht lange Nutzen ziehen will.

Senator Edward Kennedy hat kürzlich im US-Senat den mit Gutachten untermauerten Antrag eingebracht: "Die US-Regierung möge solange keine Lizenzen für Kernkraftwerke mehr erteilen, bis die Folgen aus der Wärmeverschmutzung der Gewässer eindeutig geklärt seien." Wie wird sich der biologische Zustand eines Flusses bei einem und mehreren Atomkraftwerken am gleichen Fluß auswirken? Wann wird der Fluß "tot" sein mit allen Folgerungen? In den USA ist der Kernkraftwerksrausch bereits verflogen, und im Jahre 1969 ist bisher noch kein Kernkraftwerk weiter gebaut worden. In Europa dagegen wird für Atomkraftwerke immer mehr hektische Propaganda uns Musik gemacht. Die USA haben w0 Jahre längere Erfahrungen, sie sind vorsichtig und verantwortungsvoller geworden. Jeder Kaufmann trachtet Ladenhüter schnell loszuwerden. Die Methoden der "Werbung" spielen dabei keine Rolle! Warum sollte es die "Atomkamarilla" anders machen? Das Gesundheitsdepartement (USA) berichtet offiziell, daß im Bereich der Atomreaktoren die Fälle von Leukämie, Mißgeburten und Fehlgeburten in der Umgebung des 48-Megawatt-Reaktors Eureka (USA) ist um das Dreifache des USA-Durchschnittes angewachsen. Die Kindersterblichkeit ist in den durch Reaktoren gefährdeten Gebieten um 38m Prozent gestiegen. "Was haben die Anwohner des 600-Megawatt-Reaktors Zwentendorf-Tullnerfeld an der Donau zu erwarte? Wir können dagegen nichts anderes tun, als das Volksbegehren gegen atomare Verseuchung zu unterschreiben und zu fördern. Fordern Sie Stimmrechtscheine an bei : "Gesundes Leben", Postfach 7, A-4045 Linz.

A.Teng-Nimrichter, Gnesau.


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